ZERO WASTE und Nachhaltigkeit bei Babys von Carolina Wahl

Viele Eltern machen sich spätestens nach der Geburt ihres ersten Kindes Gedanken um die Zukunft. Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen? Wie können wir unseren Kindern gleich von Anfang an beibringen, es besser zu machen als bisherige Generationen?
Als Eltern haben wir eigentlich eine besondere Verantwortung für unseren Planeten und viele von uns sind sich dessen durchaus bewusst.

Und trotzdem - wenn man durch die Babyabteilung einer beliebigen Drogerie läuft, fällt auf: für Babys scheint es nur Wegwerfprodukte zu geben. Von Windeln, Feuchttüchern, Stilleinlagen, Wickelunterlagen hin zu einzeln verpackten zweifelhaften Snacks.
Ja, die Babyzeit kann Eltern einiges abverlangen und ja, wir müssen mit unserer Energie gut haushalten und manche Produkte sind einfach wahnsinnig praktisch.

Aber, geht das nicht auch anders? Geht es nicht praktisch, günstig, gesund UND nachhaltig?

Ich sage: es geht! Und ich sage sogar: es macht viel mehr Spaß!

Hier sind meine Top 3 Zero Waste-Tipps:

1.    Den mit Abstand größten Müllanteil verursachen Wegwerfwindeln.

In München machen Windeln ca. 10% des Haushaltsmülls aus. Wenn man sich überlegt, dass das nur EIN Produkt ist, und wir dieses nicht einmal 10% unseres Lebens nutzen, wird einem das Ausmaß erst bewusst. Dazu kommt, dass Windeln weder recycelt noch verbrannt werden können. Letztlich ist es also Sondermüll.
Heutzutage gibt es jedoch eine tolle Alternative: moderne Stoffwindeln. Die sind nachhaltiger, gesünder, günstiger, und deutlich hübscher. Anders als bei Wegwerfwindeln kann man hier selbst bestimmen, welche Materialien an die Babyhaut kommen, z.B. Bio-Baumwolle und Merinowolle anstelle von erdölbasierten Superabsorbern. Es gibt unzählige hübsche Designs und sie können für mehrere Kinder genutzt werden. Klingt gut, oder? Und keine Angst, anders als unsere Großeltern haben wir Waschmaschinen die heiß waschen können und uns die Arbeit abnehmen!
Hier lohnt es sich, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, denn die Fülle an Stoffwindeln kann Neulinge erstmal überfordern. Wenn man aber das richtige System gefunden hat, macht Wickeln richtig Spaß!
Und wo wir schon beim Wickeln sind, können wir gleich bei den allseits beliebten Feuchttüchern weitermachen. Ein absolut verzichtbares Produkt, denn der gute alte nasse Lappen tut’s genauso, und zwar für überall.

2.    Ein weiterer Aspekt, der sehr viel in Hinblick auf den ökologischen Fußabdruck macht, ist gleichzeitig einer meiner liebsten: Secondhand  kaufen. In München gibt es (wenn nicht gerade Corona-Bedingungen herrschen) viele Kinderflohmärkte, auf denen ihr fast alles was ihr braucht günstig bekommt. Wenn gerade kein Flohmarkt ist, schaut bei Gebrauchtwarenhäusern wie dem Weißen Raben, Diakonia oder Oxfam vorbei. Gerade Babykleidung ist oft nur kurz getragen und wie neu, aber kostet nur ein paar Euro, die Giftstoffe aus der Produktion sind ausgewaschen und ihr unterstützt keine Fast Fashion-Ketten. Für Möbel, Kinderwagen und andere größere Gegenstände wird man oft auf Ebay Kleinanzeigen fündig. Kauft dabei nur das, was ihr WIRKLICH braucht, auch wenn Werbung ohne Ende auf euch einprasselt. Alles was ihr eventuell vielleicht sicherheitshalber daheim haben solltet, braucht ihr sehr wahrscheinlich am Ende nicht. Und wenn doch, kauft es dann. Wir leben in einer Welt, in der alles sehr schnell verfügbar ist.

3.    Die Ernährung von Babys liegt nicht allein in der Hand von Herrn Hipp. Neben den vielen Vorteilen des Stillens, ist es natürlich auch die umweltfreundlichste. Aber auch wenn das Baby Beikost bekommt, sind wir keineswegs auf Gläschen oder gar Fertiggerichte, abgepackte Snacks oder Quetschies angewiesen. Wir können Brei selbst kochen (Tipp: Größere Mengen kochen und in Gläsern portionsweise einfrieren macht weniger Arbeit), Brei ganz weglassen und  Babyled Weaning  ausprobieren und unterwegs selbstgemachte Snacks oder weiches Obst mitnehmen. Wir sparen damit nicht nur Verpackungen, sondern bestimmen selbst, was unsere Kinder zu sich nehmen, was in der Regel weniger Zucker und Zusatzstoffe bedeutet.

Oftmals sind nachhaltigere Produkte auch erstmal eine Investition. Plastik- und Wegwerfprodukte sind hingegen oft billiger und die Hemmschwelle sie zu kaufen daher geringer. Das ist allerdings ein Trugschluss, denn man kauft diese Wegwerfartikel ja immer wieder nach, manchmal über mehrere Jahre hinweg, und wirft damit buchstäblich bares Geld weg. Die nachhaltigen Alternativen müssen oft nur einmal angeschafft werden und können viele Jahre genutzt werden, oftmals auch für weitere Kinder und sind damit auf lange Sicht günstiger.

Wenn das Thema für euch noch komplett neu ist: Überstürzt nichts. Stellt eins nach dem anderen um (kauft z.B. eine leer gewordene Packung nicht mehr nach). Geht nur bei den Dingen mit, mit denen ihr euch wohlfühlt. Jeder einzelne Schritt ist gut und es muss nicht perfekt sein. Manche Dinge sind leichter umzusetzen als andere, manche hat man liebgewonnen und möchte sie nicht aufgeben. Ich kenne zum Beispiel eine Mutter, die unbedingt an Wegwerfwickelunterlagen festhalten wollte. Ihr Kompromiss: die Unterlagen halbieren, so dass sie weniger Verbrauch hat. Das ist ein super erster Schritt! Manchmal gibt es auch Zeiten, in denen es an Energie mangelt und man es aus Selbstfürsorge wirklich so leicht wie möglich haben möchte, zu anderen Zeiten ist Energie für Experimente übrig. Auch das ist okay! Aber seid offen für Neues, nehmt nicht hin, dass Wegwerfen der Standard ist. Seid euch eurer besonderen Verantwortung und eurer Vorbildfunktion bewusst.

There is no planet B!

Sa 21.05.22
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